Projekt Hermann Hesse

Februar 2015
Was steckt wirklich hinter diesem ernst dreinblickenden Menschen? Diese Frage begleitete uns in den ersten beiden Treffen besonders.
Im Literaturmuseum der Moderne entdeckten wir Objekte und Bilder, Briefe und Notizbücher aus dem Leben des Nobelpreisträgers. Ihre Eindrücke und Geschichten eröffneten uns einen ersten Blick auf den Schriftsteller und brachten ihn uns ein ganzes Stück näher.

„Die beiden Brüder“ lautet der Titel der frühsten Arbeit von Hermann Hesse. Im Alter von sieben Jahren schrieb er dieses Märchen und schenkte es seiner Schwester Marulla zum Geburtstag. Die Originalhandschrift wird heute im Deutschen Literaturarchiv aufbewahrt. Im Handschriftenlesesaal haben wir das Märchen anschauen können und waren erstaunt, neben der Handschrift auch noch eine Zeichnung zu finden.

Aus den zahlreichen Briefen, die er seiner Schwester Marulla nach Korntal (bei Ludwigsburg) schrieb, haben wir einige gelesen, darunter waren auch Briefe an seine Schwester Adele. Auch wenn die deutsche Handschrift nicht immer leicht zu entziffern war und wir mit einer „Übersetzungstabelle“ arbeiten mussten, waren wir erstaunt über das enge und vertraute Verhältnis zu seinen Schwestern Marulla und Adele.

Er kümmerte sich um sie, trug ihnen seine Sorgen vor, berichtete von Termindruck und Stress. Aber auch ganz einfache Fragen wie „Wie geht es dir“ oder „Wie ist das Wetter?“ werden in den Briefen gestellt. Ebenso werden Grüße von Bekannten ausgerichtet. Es wird in den Briefen auch über die Arbeit im Garten und was im Moment dort blüht berichtet. Ein interessanter Einblick in die persönliche Welt des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse.

Text: Jan Jakob
Bild: Sichtung von Originalen im Handschriften-Lesesaal (Vanessa Greiff)

März 2015

Heute erhielten wir Einblicke in die unterirdischen Bibliotheksbestände des Archivs und wurden von Herrn Dr. Nicolai Riedel durch die Bibliothek Hermann Hesses geführt.
Unsere erste Station war aber die Sammlung der übersetzen Hessewerke, die aufgrund von Hesses internationaler Popularität in zahlreichen Sprachen vorhanden waren, darunter beispielsweise Koreanisch, Russisch oder Chinesisch. Danach wurden wir tiefer in das Archiv zu Hesses privater Bibliothek geführt. Auffallend waren die zahlreichen englischsprachigen Werke und die Fülle der Autoren, was uns die Vielseitigkeit Hesses aufzeigte.

Text: Eva Boy und Alina Beckmann
Bild: Sichtung der Bibliotheksbestände mit Dr. Nicolai Riedel (DLA) (Vanessa Greiff)

April 2015
Das Hesse-Handschriftenarchiv

Am Hermann-Hesse-Treffen vom  21. April 2015 wurden wir am Eingang des Literaturarchivs von Herrn Dr. Jan Bürger begrüßt. Dieser führte uns hinunter in den Keller des Archivs, wo der Großteil der Originale aufbewahrt wird. Hier bekamen wir zunächst einige Manuskripte anderer Autoren zu sehen, so zum Beispiel das von Celans „Todesfuge“. Daraufhin begaben wir uns zum eigentlichen Ziel dieses Treffens: Einem weiteren Teil des Hermann-Hesse-Nachlasses.

Uns wurden weitere Briefe, Zeichnungen und ein Manuskript gezeigt. Die überraschendste Erkenntnis dieses Treffens war, dass Hermann Hesse schon in sehr jungen Jahren, und ohne die eigentlich nötige Bekanntheit, recht dreist seine Bücher ins Marbacher Archiv geschickt hat.

Bei allen Schriftstücken war wieder Hesses persönlicher „Tick“ der Wiederverwendung sichtbar. So schrieb er auf Einladungen, Bankdokumente und alte Briefe.

Seine Aquarelle finden sich als Verzierungen seiner Manuskripte, aber auch auf Briefen an andere Privatpersonen. Diese haben aber – auf den Briefen – meistens nichts mit dem Inhalt zu tun, sondern spiegeln, wie uns erklärt wurde, Hesses aktuelle Gefühlssituation wieder.

Am Schluss bekamen wir noch unser zukünftiges Lesestück mitgeteilt, den Steppenwolf, den wir bis zum nächsten Treffen gelesen haben sollten.

Text: Sarah Leuchtenberg

Mai 2015
Bis zu diesem Tag haben wir für das Lektüreseminar das „Tractat vom Steppenwolf“ gelesen. Gemeinsam erstellten wir ein Charakterbild von der Hauptperson Harry Haller, dem Steppenwolf. Dabei stellten wir fest, dass der Protagonist und der Autor Hermann Hesse nicht nur die gleichen Initialen hatten, sondern sich auch in vielen anderen Eigenschaften glichen.
Nach der Diskussion haben wir eine Kopie der Originalhandschrift des Steppenwolfs angeschaut. Das Original ist im LiMo ausgestellt.

Text: Michelle Pucciarelli und Ann-Sophie Riebold

Juni 2015
Zeitkapsel 39 am 17. Juni um 19.30 Uhr im Humboldtsaal des Deutschen Literaturarchivs
„Hermann Hesses Montagnola-Strategie“, nachverfolgt von Raimund Fellinger und Jan Bürger.

Vor der öffentlichen Veranstaltung beantwortete uns Herr Raimund Fellinger, der Cheflektor des Suhrkamp Verlages, ein paar Fragen zu seiner Arbeit.

Frage: Welche Bücher sind gefragt? Sind das nur Klassiker?
Herr Fellinger: Es werden gerne Autoren des 20. Jahrhunderts, vor allem die nach 1945 gelesen. Um ein paar Beispiele zu nennen, das sind Hesse, Brecht, Max Frisch und Peter  Handke, auch ein Übersetzer des Nobelpreisträgers Modiano.

Frage: Was sind denn die Grundkriterien, nach denen der Suhrkamp Verlag die Autoren  heraussucht, die einen Verlag suchen?
Herr Fellinger: Im Grunde gibt es drei Kriterien, nach denen wir entscheiden, welche Autoren wir verlegen: Das Manuskript muss ins Verlagsprogramm passen, also das Thema muss zum Verlag passen. Zweitens muss das, was wir verlegen, in sich stimmig sein, es muss etwas eigenes sein, etwas, was es vorher noch nicht gab und nicht irgendwo abgeschrieben wurde. Und drittens muss man im Gespür haben, wenn man mit dem Autor redet, ob er noch mehr schreiben kann. Der Suhrkamp Verlag bekommt jedes Jahr um die 3000 Manuskripte angeboten, da haben wir schon eine beachtliche  Auswahl.

Frage: Was fasziniert Sie persönlich an Hermann Hesse?
Herr Fellinger: Jeder weiß, dass Hesse ein Phänomen ist, dass er überall auf der Welt bekannt ist und auch viele Preise bekommen hat. In den 60er und 70er Jahren war er in Amerika beliebt, dort kamen sie nicht einmal nach mit drucken. Es gab sogar eine Band mit dem Namen „Steppenwolf“. Danach ging es in Japan weiter. Auch jetzt ist Hesse immer noch gefragt.

Frage: Welcher andere Autor interessiert Sie?
Herr Fellinger: Das kann ich nicht sagen. Alle müssen mir gleich lieb sein. Aber natürlich hat man seine Phasen, in denen man einige mehr mag als andere und wieder einige nicht  ausstehen kann.

Frage: Wie viele der Manuskripte werden letztendlich gedruckt?
Herr Fellinger: geschätzte 0,001%, also fast keine.

Frage: Wenn viele Ihrer Mitarbeiter die Texte lesen, wer hat letztendlich das  Entscheidungsrecht, welche gedruckt werden?
Herr Fellinger: Zuerst werden Vorschläge gemacht, dann setzen wir uns im größeren Kreis  zusammen und es werden Gutachten erstellt. Auf ihrer Basis wird dann die  Entscheidung getroffen.

Frage: Wenn in Ihrem Verlag ein Autor ein Buch veröffentlicht, ist es dann wahrscheinlich, dass alle seine Werke gedruckt werden?
Herr Fellinger: Man will natürlich alles verlegen, wenn der Autor Erfolg hat. Letztendlich ist es  Verhandlungssache, denn nicht immer ist alles gut und wird sich verkaufen. Aber man sollte ihn auch nicht zu hart abweisen, sonst sucht er sich einen anderen Verlag.

Bei der Veranstaltung „Zeitkapsel 39: die Montagnola-Strategie“ wurden am Anfang Bilder von Hesses Haus in Montagnola gezeigt und die Parallelgeschichte von Hermann Hesse und Peter Suhrkamp erläutert. Zum Beispiel wurden wir über den Briefwechsel zwischen ihnen informiert. In einem Brief schrieb Peter Suhrkamp seiner Frau über die Begegnung mit Hermann Hesse. Er beschreibt ihr sein Aussehen teils übertrieben genau und analysiert sein Verhalten. Auch von Siegfried Unseld, seinem Verleger, wurde Hesse beschrieben.
Uns wurde auch ein Bild des ersten Einlieferungsscheins von Hesses Unterlagen ins Literaturarchiv gezeigt und ein Bild der Zugangsbücher. Hesse war immer nur an geistigem Gut interessiert, aus der Politik hielt er sich heraus. Hesse glaubte auch, dass Peter Suhrkamp wegen ihm ins KZ kommt, da er sich für ihn eingesetzt hat. Ihre Freundschaft ging aber auch noch nach 1945 weiter.

Text: Stefanie Köpf


Bild: Vor der Zeitkapsel-Veranstaltung: Raimund Fellinger im Gespräch mit den Schülern (Vanessa Greiff)


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