Nachwuchskünstler aus Marbach

FSG Marbach-Presse-AG

Jasmin Lausmann und Julis Goerlich, SchülerInnen des FSG Marbach sind Preisträger des diesjährigen Landesjugendpreises Baden-Württemberg. Teil der Spitzenförderung für künstlerisch besonders begabte Schüler ist eine Ausstellung in der ehemaligen Reithalle der Karlskaserne in Ludwigsburg. Bis zum 24. November gibt es dort neben Arbeiten des frischgebackenen Abiturienten Goerlich und Lausmanns Malereien sehr originelle Jugendkunstarbeiten zum Wettbewerbesthema Vielschichtig zu sehen.

Fragestellungen, Sehnsüchte und Visionen, wundersame Einfälle und beängstigende Blickwinkel junger Menschen auf das eigene Ich, das Leben, unsere Gesellschaft und Welt verspricht die diesjährige Ausstellung zum bereits thematisch multiperspektivisch angelegten Thema Vielschichtig. Beispielhaft die Arbeit des zur Wettbewerbseinreichung gerade mal 17-jährigen Goerlich aus Affalterbach, der bereits eine Einzelausstellung im Rathaus der Stadt Marbach und auch eine überlebensgroße Wandarbeit in der Aula des FSG vorweisen kann, seinerseit angefertigt im Rahmen des Kunstneigungskurs bei seiner Kunsterzieherin Jana Bittermann:

Im Bildmittelpunkt seiner Ölmalerei auf umklappbarer Leinwand sitzt ein junger Mann auf einem Barhocker vom Licht der Kneipe bühnenhaft ausgeleuchtet. Zu seiner linken ein kleiner Junge mit Geige und besorgtem Blick,zu seiner rechten Staffagefiguren, die den Bildprotagonisten prüfend in Augenschein nehmen. Die zentrale Bildfigur, von Goerlich durchaus archetypisch wie selbstporträthaft umgesetzt, wirkt zunächst lässig und selbsticher. Gleichzeitig erscheint er wie eingezwängt zwischen den Figuren zu seiner Rechten und Linken. Goerlich erklärt: In der Kneipenszene prallen für mich mindestens zwei Sichtweisen auf mich aufeinander. Die der Fremdwahrnehmung mit meine eigenen. Das Spagat zwischen Kleinkind mit Geige, inszenierter Coolness und Fremdprojektionen kann inhaltlich durchaus auch als Anlehung an die Deutschabi-Lektüre Steppenwolf mit dem modernen Bild eines zerspitterten Selbst interpertiert werden.

Überraschend fühlen sich Freunde des international gefeierten, deutschen Malerstars der 1990er Jahre Jörg Immendorf bei Goerlichs souveräner Bildfindung mit Hang zum erzählerischen sowie der raffinierten und für sein Alter bereits ungewöhnlich freien Farb- und Lichtregie unwillkürlich an dessen Kneipen-Sittenbilder namens Deutschlandbilder erinnert. Kein Wunder, dass Goerlich mit seinem bildnerischen Talent nach seiner Zeit am FSG beruflich im gestalterischen Bereich tätig werden will.

Auch Jasmin Lausmanns rosa-rot-pinke, popartige Acrylmalerei auf Leinwand “Volle Lippen voller Leere” will uns neben einem technisch exzellent angefertigten Kunstwerk mit einem formal spannenden Spiel an Sujet-Wiederholungen und dem Wechsel der Ansichten vom Profil- bis zur Frontaldarstellung eine Message mit auf den Weg geben. Die 15-jährige FSGlerin aus Affalterbach erklärt, dass das Nacheifern von Schönheitsidealen für sie letztlich nur dem schönen Schein diene, damit also vorallem Leere statt individuellen Schönheit mit sich bringe. Altertsypisch didaktisch empfindet sie den malerisch sehr ansehbaren Gleichklang geschminker Lippen vorallem als leeren, oberflächlichen Schönheitsreiz. Der eigentliche Reiz des Bildes liegt dabei auch darin, dass sie mit ihrer Malerei geschminkter, quasi bemalter Lippen Grundsatzfragen von Malerei und deren Abbildhaftigkeit berührt.

Die meisten der insgesamt 40 Preisträgerinnen zwischen 15 und 21 Jahren besuchen neben dem Schulkunstunterricht noch die Jugendkuntschulen oder bereits Vorkurse der Kunstakademien im Land. Der Preis und die Teilnahme an der Ausstellung gilt derzeit als ein zentraler Mosaikstein der Spitzenförderung des bildnerischen Nachwuchses im Land. Zur dort gezeigten Vielschichtigkeit gehören außer den oftmals figürlichen, überwiegend gegenständlichen Malereien, Zeichnungen und Collagen auch Objekte, abstrakte Farbexlosionen oder ein aus künstlerischer Sicht durchaus reizvoller, zersplitterter Jugendzimmer-Spiegel als Ready-Made. Der Besuch der Ausstellung, der Blick auf die vielschichtige Vielfalt der Arbeiten der FSGler wie der anderen Nachwuchstalente lohnt sich.

TEXT: FSG-Presse-AG/Tobias Greiner

Schüler sind auf der Bühne angekommen...

FSG Marbach-Presse-AG: Das Musical "Ab auf die Insel" der Marbacher Schüler in der Ludwigsburger Karlskaserne steht bevor. Alle drei Aufführungen sind bereits so gut wie ausverkauft. Die Jury eines Schulmusiktheater-Wettbewerbs wird erwartet.

Sprecht lauter!, Ein bisschen mehr Energie in euren Bewegungen!, Der Umbau muss schneller funktionieren! Im Theaterraum der Karlskaserne Ludwigsburg herrscht aufgeregtes Gewusel. 100 Schüler aus allen Jahrgängen des FSG Marbach, an manchen Grundschulen wären das alle Schüler, sowie vier Lehrer werden zeitgleich von einer Person dirigiert. Der Tag der Wahrheit steht vor der Tür. Helen Volz, Musiklehrerin am FSG, hat in dieses schulische Mammutprojekt seit über einem Jahr viel Herzblut und Musical-Fantasie und auch ihre Freizeit wie Ferienzeit gesteckt. Sie firmiert in einer Person als Autorin, Komponistin, Regisseurin und musikalische Leitung des diesjährigen FSG-Schulmusicals Ab auf Insel. Selbst einen Trailer und das Plakat für das Musical hat sie für die eigens von ihr entworfenen Musical-Webseite erstellt. Mittlerweile sind alle Requisiten, zwei Anhänger und fünf Kofferraumfüllungen in der Reithalle, Karlskaserne in Ludwigsburg eingetroffen. Auch die Haupt-, und Nebenrollen sind, teils wieder, besetzt. Zwischenzeitlich wurde die Doppelaufgabe - Schulstart hier -Musicalcountdown dort, manchem schauspielenden Schüler zuviel.

Doch die harte Arbeit zahlt sich für die sehr engagierten, jungen Tänzer, Musiker und Schauspieler des FSG aus. Die Veranstaltungen sind bereits vor dem ersten Abend für alle drei Aufführungen so gut wie ausverkauft; auch die Jury eines Schulmusiktheater-Wettbewerbs wird neben 1400 Besuchern erwartet. Immerhin ist das Musical bereits von der deutschen Totto-Lotto-Gesellschaft vornominiert für eine Schulfahrt an die Nordsee. Passender könnte der Gewinn nicht ausfallen. Schließlich thematisiert das Stück schülernah die jahrelange, seit kurzem eingestellte Klassenfahrt aller Sechstklässler des FSG Marbach auf die Nordsee-Insel Amrum. 27 Nachwuchsschauspieler auf der von Frau Bittermann und ihrem Team hervorragend gestalteten Bühne machen das Spektakel aus Singen und Tanzen perfekt; sechs Solisten geben dem Stück einen humorvollen und unterhaltsamen Charakter und werden von der Sportlehrerin Frau Braden und einem Team aus Profitänzern sowie Frau Erthle unterstützt.

Herr Mader, ebenfalls Musiklehrer am FSG, sitzt konzentriert am Klavier. Er schaut von Frau Volz zum Gitaristen Herr Wahlers, den Mitmusikern und dann wieder auf sein Notenblatt. Frau Volz Kompositionen aus sanften Balladen, Popsongs, Swing-, Latin-, Funk-, Hip-Hop- und traditioneller norddeutscher Tanzmusik sollen schließlich den ganzen Saal in Schwingung bringen. Die Schüler warten geduldig auf den nächsten Porbedurchlauf. Zum x-ten an diesem Tag mal wird eine Surferszene eingeübt. Frau Volz nickt endlich zufrieden und lacht. Endlich sind alle punktgenau angekommen - auf der Nordseewelle in Amrum und auf der Bühne.

Text: Leonie Obermüller (Klasse 10), erschienen am 25.10.19 in der Marbacher Zeitung 

Klimastreik auf B27 - Lauwarm bis aufgeheizt

Marbach a.N./15. Oktober 2019/FSG Schulpresse: Was wird aus dem hitzigen Eintreten vieler Schüler fürs Klima? Treiben die jungen Menschen die Klimawende voran oder schreitet nur der Klimawandel fort? Leonie Obermüller (Klasse 10), berichtet von einem Tag zwischen Erfolg und Frust der Fridays for Future-Bewegung.

Der 20. September 2019 ist kein letzter Schultag und könnte trotzdem für mich und viele junge Menschen einer der ganz besonderen Tage im Jahr werden. Wochen im Voraus startet die sechzehnjährige Klimaaktivistin Greta Thunberg ihren Aufruf. Sie erklärt diesen Freitag zum Tag des Globalen Klimastreiks. Dazu forderte sie alle - jung bis alt - zur Beteiligung auf. Die lokalen Organisatoren der FFF-Demonstrationen werfen Flyer ganz altmodisch in Briefkästen. Besonders schnell verbreitet sich der Aufruf in den sozialen Netzwerken.

Am 20. September gehen weltweit um die vier Millionen Leute in 163 Ländern für das Klima auf die Straße, rund 1.4 Millionen davon in Deutschland. 20 000 versammeln sich in etwa in der Landeshauptstadt Stuttgart, beachtliche 4000 ziehen quer durch Ludwigsburg. Für uns FSGler fällt an diesem Tag - Glück gehabt - zufällig der Unterricht nach der 4. Stunde wegen dem jährlichen Lehrerausflug aus. Der erste, echte Freitag-Schulstreik einiger FSG-Schüler wurde im letzen Schuljahr schnell im Dialog beigelegt. Manche Schulen im Landkreis stufen die heutige Freitags-Demo allerdings auch als “unterrichtsadäquate” Veranstaltung ein. Unterrichtsgegenstand: Umweltschutz und politische Bildung.

Um 12:00 Uhr herrscht am Busbahnhof Ludwigsburg eine ausgelassene Stimmung. Markus Moskau eröffnet am Megafon den 14. Ludwigsburger Klimastreik und bittet nebenbei Trittbrettfahrer von Gewerkschaften oder Parteien, ihre eigene Agenda bei dem Umzug hinten an zu stellen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ oder „System change not climate change” hört man Menschen rufen und singen. Ein Lastenrad mit Solarpanels fährt vom Bahnhof Richtung Marstall Center den Demonstranten voraus. Junge Schüler unterhalten sich mit älteren Menschen, was die Gesellschaft und der „Normalmensch“ außerhalb der friedlichen Demonstration noch tun können, um klimafreundlicher zu leben. Während die Spitze des Demo-Eisbergs bereits das Marstall Center erreicht hat, ist der hintere Teil des Umzugs noch nicht einmal vom Bahnhof aufgebrochen.

Die Autofahrer müssen warten und erhalten dabei etwas Zeit zum Umdenken. Am Marktplatz spricht Nora Oehmichen, Mutter und Lehrerin, für „Parents for Future“ stellvertretend für die älteren Teilnehmer der Demo: „Früher dachte ich, freie Marktwirtschaft gleich Wohlstand für alle. Doch mir ist klar geworden, dass unser Happyland auf einem System der Benachteiligungen anderer basiert. Ich habe genug von immer schneller, weiter, mehr!“ André Kaufmann von der Gewerkschaft IG Metall bestärkt ebenfalls die Jugendkritik „Ich bin hier, weil ihr Recht habt!“ Markus Moskau bedankt sich im Gegenzug auch bei den Älteren. Auch Seniorinnen würden heute und hier für die Zukunft ihrer Enkel demonstrieren; das findet der 18-jährige Schüler aus Asperg einfach spitze. Der Umzug geht weiter, Schaulustige werden zum Mitmarschieren ermutigt. Auf der gesperrten B27 kommt es zu einer fast unglaublichen Aktion.

Alle Demonstranten fallen mitten auf der Bundesstraße zunächst grundlos um. So bleiben sie dann für einige Minuten liegen. Das sogenannte „die-in“ soll auf die tödlichen Gefahren durch Klimaerwärmung aufmerksam machen. Um 15 Uhr endet der offizielle Demo-Umzug auf dem Filmaka-Gelände in Ludwigsburg inklusive „Food Sharing“. Markus Moskau und die Teilnehmer können zufrieden sein mit dem Zeichen, das sie heute in Ludwigsburg für die Umwelt und Zukunft gesetzt haben. Das am selben Tag von der GroKo verabschiedete Klimapaket ist jedoch weit entfernt von den FFF-Vorstellungen auf der Straße- und löst bei einigen Demonstraten Enttäuschung aus. Bis zum großen Umdenken werden wohl noch einige Freitage vergehen müssen.

Wartezeit für Klimawandel

17.Oktober 2019 / FSG Marbach a.N.

Was hat das große Fischsterben am Stuttgarter Max-Eyth-See mit der Klimabewegung Fridays For Future zu tun - und eine schwedische Schülerin mit Schülern des FSG Marbach? Sarah Eink (Klasse 10) vom FSG-Schul-PR Team erklärt, wieso sich ein Ein-Personenstreik zum globalen Aufstand der Jugend entwickelt hat.

Der internationale Massenprotest am 20. September markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Einpersonen-Schülerstreiks. Begonnen hat er vor vierzehn Monaten mit dem Aufstand einer gerade 15-jährigen Schwedin. An Montag, dem 20. August 2018, setzt sich das mutige Mädchen im Pubertätsalter mit nichts weiter als einem Rucksack und einem Schild bewaffnet gegenüber den Reichstag in Stockholm. Drei Wochen sitzt die Schülerin mit ansonsten hervorragenden Schulleistungen dort - statt im Unterricht. Per Twitter gründet sie wenig später die Aktion “ Fridays for Future“ und erinnert jeden Freitag per Schulstreik vor dem Regierungsgebäude die Politiker ihres Landes daran, ihre Klimapflichten ernst zu nehmen. Sie und vorallem das, was bekanntermassen folgt, wird vermutlich Geschichte schreiben.

Great Thunberg wurde inzwischen für ihr konsequentes Eintreten fürs Klima und den dabei gelegten Grundstein für eine globale Klimaprotestbewegung für den alternativen Nobelpreis nominiert. Zwar ist Sie für manche Erwachsene wie Donald Trump zum Feindbild avanciert, für viele junge Menschen hingegen ist sie ein großes Vorbild. Mit ihrem Thema und ihrer Aktion hat sie nichtnur den Nerv der Jugend getroffen, sondern spricht länderübergreifend einer ganzen Generation aus der Seele. Denn natürlich, die Folgen des Klimawandels wie Dürren, Überschwemmungen, Klimaflucht und zu erwartende Umwelt-Kriege, betreffen am Ende vorallem die heutige Jugend und deren Nachkommen. Da die Menschen die Krise selbst mit verursacht haben, sollten Sie dem Klimawandel jetzt auch aus eigener Kraft energisch entgegentreten.

Dass die Polarkappen und der dortige Permafrost mitsamt gigantischer Gletschermassen langsam aber stetig wegschmilzt und sich Waldbrände irgendwo weit weg von uns mehren - wir wissen es. Doch wenn der Max- Eyth- See am heimischen Neckar wie im letzten Monat bei Hitzetemperaturen umkippt, dort innerhalb weniger Tage mit über 50 000 Fische die gesamte Population verendet, schreckt einen das vor der eigenen Haustür auf. Am ersten Tag des UN-Klimagipfels bekennen elf Millionen Streikende in 220 Ländern, wie wichtig ihnen das Themea Klimaschutz ist. Der jungen Generation, die sich rund ums Klima immer deutlicher politisiert, schließen sich inzwischen auch mehr Erwachsene an. Konkret fordern die Demonstranten die Politik weltweit auf, das Pariser Abkommen einzuhalten. Unterzeichnet haben es inzwischen immerhin 197 Länder.

Doch nur 16 Länder können einen Klimaschutzplan vorlegen, der die darin gemachten Zusagen erfüllt. Deutschland will mit seinem Klimapaket die Ziele immerhin ab 2030 erreichen. Ob die Klimabewegung und das Klima so lange auf sich warten lassen?

Erschienen am 17.Oktober 2019 in der Marbacher Zeitung

Flair in Ochsenhausen

FSG-Musik-AGs nutzten die sogeannte, unterrichtsfreie Teerwoche zum gemeinsamen Musizieren an der Landesakademie für Schulmusik in Ochsenhausen. Benjamin Fähnle vom FSG-Presseteam reiste mit eigenem Instrument und Stift zu den Musiktagen. Vom 30. September bis 2. August wurde dort bereits fürs Weihnachtskonzert geprobt.

Architektonisch betrachtet ist die Akademie ein ehrwürdiges, altes Kloster, gelegen auf einem Hügel im Ort Ochsenhausen, östlich von Biberach und selbst für Marbacher ein eher stiller und unscheibarer Fleck auf der badenwürttembergichen Landkarte. Doch dieser Schein der Ruhe trügt. Zu den FSG-Probetagen kamen über hundert Schüler mit drei Bussen angefahren. Diese machten das gigantische Gebäude aus dem 11. Jahrhundert, das seit nunmehr 29 Jahren als Jugendmusikakademie dient, unsicher.

Dabei bot die diesjährige Musikfreizeit ein zusätzliche Bonbon: Die Musiklehrer hatten extra für die FSGler eine argentinische Musikerlegende nach Ochsenhausen entführt - Darío Ingignoli. Er hatte für uns schon die Noten für das Weihnachtskonzerts besorgt und legte sich jetzt als erfahrener Dirigent für uns richtig ins Zeug. Die meiste Zeit probte er mit dem Orchester, die letzten Probe dann mit alle AGs im Tutti. Ein Ziel vereinte dabei alle Musikanten: Es wurden durchweg Stücke aus der Misa Criolla und Navidad Nuestra fürs kommende FSG-Weihnachtskonzert geprobt werden.

“Eines der Highlights hier“ äußerten sich einige Schüler ebenfalls begeistert über ganz irdische Vorzüge von Ochenhausen - das hervorragende Essen im barocken Speisesaal, mit dem wir uns fürs Musizieren stärkten und das Klostergemäuer an sich, in dem wir uns je nach AG verteilten. Während das Orchester im Bräuhaussaal spielte, ging es in etwa für den Schul- und Unterstufenchor zum Singen ein Stockwerk tiefer in den Spiegelsaal. Im Bus zurück blieb es anders als bei der Hinfahrt erstaunlich ruhig. Manche hingen wohl noch den Ochenhäusner Klosterklängen nach. Andere mussten dringend verpassten Schlaf nachholen. Summa summarum: Ochenhausen es war schön und barocker Lifesytle Adieu - wir kommen nächstes Jahr wieder.

“Natürlich habe ich schon etwas Respekt vor der neuen Aufgabe”

Friedrich-Schiller-Gymnasium Das Schüler-PR-Team hat ein Interview mit dem scheidenden Schulleiter Christof Martin geführt Marbach Sechs Jahre war Christof Martin Schulleiter am FSG Marbach. Jetzt wechselt er Kontinent und Schule. Seine neue Position wird die Schulleitung an der German European School Singapore (GESS). Was ihn zu diesem Wechsel bewegt hat, mit welchen Gefühlen und Wünschen er nach Singapur geht und sich vom FSG verabschiedet, will das neu gegründete Schüler-PR Team wissen.

Herr Martin, wie kam es eigentlich zu ihrem Stellenwechsel nach Singapur?

Das war eher Zufall. In Singapur wurde ein erfahrener, deutscher Schulleiter gesucht. Dort soll es an einer der weltweit 140 deutschen Auslandschulen in den letzten Jahren nicht so einfach gewesen sein. Der für die Schulen zuständige Ausschuss vom Auswärtigen Amt ist praktisch auf mich zugekommen. Ich wurde also gebeten, nach Singapur zu gehen.

Werden Sie dort auch andere Aufgaben als am FSG haben?

Der Schulleiter hat dort eine umfangreiche Position. Die Schule ist praktisch wie ein Unternehmen mit 400 Mitarbeitern aufgebaut. Sie hat eine deutsche und eine englischsprachige Abteilung und auch einen Kindergarten mit Vorschule und Kindertagesstätte. Jeder Bereich hat eine eigene Leitung und es gibt auch noch einen Verwaltungsleiter, der für die gesamte Administration zuständig ist. Alle Abteilungen sind mir unterstellt. Ich werde dort viele repräsentative Aufgaben wahrnehmen und muss schauen, dass alles läuft. Die Schule muss sich schließlich auch selber finanzieren.

Wie funktioniert das?

Zum einen gibt es Geld von der Bundesrepublik Deutschland. Der Rest wird dann aber über Schulgelder finanziert. Das heißt, 35 000 Dollar im Jahr pro Kind zahlen die Eltern. Die Familien haben natürlich entsprechende Erwartungen.

Singapur ist ja bis auf die Todesstrafe bekannt als sehr fortschrittlicher Stadtstaat. Glauben Sie, dass die Schule dort zum Beispiel in Sachen Digitalisierung weiter ist als unser FSG?

Ja, also das ist einer der wenigen Punkte, in dem sie uns sicher meilenweit voraus sind. Die ganze Schule ist digitalisiert, Schüler können Hausaufgaben online machen, Lehrer online korrigieren und alle haben Zugriff auf eine gemeinsame Schulplattform, egal wo sie sind. Und jeder Schüler hat seinen eigenen Tablet und jeder Lehrer sein Schul-Laptop. Davon sind wir am FSG noch sehr weit entfernt.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie das FSG?

Natürlich habe ich schon etwas Respekt vor der neuen Aufgabe. Das GESS wird wie gesagt zum Beipsiel nach üblichen Managementmethoden geführt, ein Stück weit nach amerikanischem Vorbild. Und ich empfinde auch etwas Abschieds-Wehmut. Das FSG ist die beste Schule, an der ich je war, und das ist auch nicht nur so daher gesagt.

Und das ohne Schulgeld.

Ja, das finde ich sehr gut, dass hier jeder kostenlos eine sehr gute Bildung erhalten kann. Dabei bin ich mir nach wie vor sicher, wer bei uns in Baden-Württemberg das Abitur macht, der ist sehr gut vorbereitet für Universitäten, Studium und eine berufliche Laufbahn.

Sie sind ja sehr reiseaffin; was reizt Sie denn am Leben in an andere Ländern und welches wäre noch in Frage gekommen?

Es ist einfach so: Reisen bildet. Ich kann jedem Menschen im 21. Jahrhundert nur dazu raten, sich auf diese Weise neue Horizonte zu erschließen. Und was andere Länder betrifft - zum Leben hätte mich Afrika schon auch sehr gereizt. Ich war einmal in Südafrika und das ist wirklich ein fantastisches Land.

Und gibt es auch Dinge, die Sie ganz gerne zurück lassen?

Die Verantwortung für so unglaublich viele Schüler. Denn solange nichts passiert, ist alles gut. Nur wenn dann mal was passiert, ist immer der Schulleiter verantwortlich. Schwierig war hier auch der fünfjährige Umbau in der Sanierungsphase des Schulgebäudes. Dass die Schüler und Lehrer zusammen den Baulärm und Staub, der überall war, klaglos ertragen haben, hat mir großen Respekt eingeflößt.

Ziehen sie Bitte etwas Bilanz:

Haben sich Ihre Erwartungen an die Schule erfüllt?

Ich hatte angenommnen, dass es schwieriger wird, wenn eine Schule fünfmal so groß ist wie eine “normale” Schule. Ich habe wirklich nicht glauben können, dass man das alles unter einen Hut bringen kann, aber ich wurde hier eines Besseren belehrt. Es ist das engagierteste Kollegium, das ich je kennengelernt habe, und auch die Schüler engagieren sich sehr. Nur so ist es möglich, dass diese Schule funktioniert.Dass beispielsweise 2500 Schüler so eine Mammutveranstaltung wie Schule als Staat von Schülern für Schüler organisiert bekommen, finde ich unglaublich. Außerdem habe ich hier über Fächer wie NwT oder Chinesisch wirklich viele neue Erkenntnisse gewonnen. Dass es wie am FSG inzwischen möglich ist, eine Berufsausbildung neben dem vollen Schulalltag zu machen, da bin ich heute noch begeistert.

Was wünschen Sie sich zum Abschluss von uns?

Das Einzige, was ich mir wünsche, ist, dass für die Lehrer am FSG die Schüler weiterhin das Wichtigste bleiben. Und für mich persönlich eine Ballonfahrt zum Abschied über Schwäbisch-Gmünd. Die habe ich nämlich vor zwei Wochen bei einer Familienfeier gewonnnen. Aber ob das zeitlich noch klappt und ich das Schwäbische nochmal von oben sehe, weiß ich noch nicht.

Interview geführt von Johanna Raab, Benjamin Fähnle und Leonie Obermüller, AG-Leitung/Interview-Betreuung von Tobias Greiner, Autor: Leonie Obermüller (Klasse 9), erschienen am 30. Juli 2019 in der Marbacher Zeitung

Komm zu uns ins Schüler-Presse-Team

2400 plus x SchülerInnen,200 plus y LehrerInnen, Größtes Gymi Baden-Württembergs, Chinesisch für Fortgeschrittene Robotik AG Pädagogisch ausgebebildete Schulhunde Und was fehlt?

Ein Starbucks. Okay nein, das natürlich auch. Aber viel wichtiger: ein Presse-Team von SchülerInnen für SchülerInnen. Einfacher gesagt, SchülerInnen die per FSG Homepage, Marbacher Zeitung oder einer neuen Schülerzeitung Nachfragen und Festhalten, was bei Dir und mir, am FSG und drum herum so geht, läuft oder auch mal schief läuft. Du hast das gerade gehört und denkst Dir so: Damn Yes!

Du durchlebst gerade die Qualen idealerweise der Mittelstufe oder Oberstufe? (8. Klasse -KS2) Schreiben, oder/und Bilder z.B. Fotografieren, Filmen und Layouten ist (oder wird bald) voll dein Ding? Du bist bereit ein bisschen deiner Netflix-Zeit fürs Recherchieren, Schreiben, Bilder machen zu opfern - um eigene Geschichten für uns übers FSG zu schreiben? Du fändest es cool, Teil unseres humorvollen, kreativen Teams zu werden? Dann komme nächsten Mittwoch in der 7. Std. in Raum 105 oder hinterlasse einen Zettel mit Deinem Namen, Klasse, Email und dem Stichwort“Presse”im Sekre.

DEIN FSG-PRESSETEAM freut sich auf Dich und Deine Bild-&Textkünste! TEXT: Johanna Raab, Klasse 10

FSG Schüler-PR interviewt FSG-Schulweltmeister

Schule ohne Freunde

FSG Marbach/Presse-AG

Die jährlichen FSG-Theatertage der neuen 5. Klässler zum Thema Freundschaft kommen bei Schülern und Lehrern gut an.

Ohne Freunde kein Ärger, mehr Zeit, niemand, um den sich täglich die Gedanken kreisen, den ich trösten, verteidigen oder mit dem ich etwas teilen müsste, wenns hoch kommt sogar meine Geburtstagtorte. Wäre doch gelacht, wenn die nicht endlich mal mir ganz alleine und sonst wirklich niemandem gehört. So oder so ähnlich loben die 5. Klässler des FSG Marbach nach drei intensiven Theatertage das freundlose Dasein in dem zum temporären Theater umfunktionierten Gymnasitikraum des FSG.

Täuscht der Blick zur Seite oder kullert bei dem ein oder anderen der fast 200 Schülerzuschauer bei diesen hervorragend inszenierten, dabei inhaltlich lieblosen Antithesen zur Freundschaft nicht schon die ersten Tränen? Macht sich da nicht eindeutig Empörung, sogar Entsetzen in vielen Schülergesichtern breit, ein Rätseln und Murmeln, das eigentlich von der Leitung während der Abschlussvorstellung der Theatertage am FSG untersagt wurde? Runzelt da nicht sogar die mit den sonstigen 5. Klasse-Aufführungen zum Thema Freundschaft bisher hochzufriedene FSG-Schulleiterin Frau Kroll etwas die Stirn?

Man muss es keinem der Hundertschaft an Schauspielern auf Zeit, den extra für diese Tage angereisten Theaterpädagogen oder den begeisterten Klassenlehrern beibringen; alle ahnen und erwarten es, die schockhafte Anti-Freundschaftvorlage zum Beginn des Stückes schmeckt zunächst ausschließlich nach den bitteren Pillen von Freundschaft - nicht zuletzt nach deren Bruch und Betrug - und kommt dabei dennoch wie automatisch zurück zum freudvolleren Sinn und Zweck jeder Freundschaft. Denn diese bildet die inhaltliche Klammer aller, von jeder Klasse mit Klassenlehrer und Theaterpädagogen selbst erarbeiteter Stücke der diesjährigen Theaterwoche am FSG. Selbst wenn gute Freundschaften nicht immer jedem zu jeder Zeit gleich vergönnt sind, oder auch nicht immer der Hauptfokus des eigenen Lebens sein muss, es lohnt sich selbst nach gründlichsten Abwägung oder Enttäuschung für jeden und im Prinzip jederzeit sich mit der Praxis von Freundschaft, sprich mit seinen Mitmenschen immer weiter oder wieder anzufreunden.

Eine andere Klasse zeigt wiederum die individuellen Vorstellungen der jungen SchülerInnen von Freundschaft: Freundschaft bedeutet ihnen beispielsweise, sich gegenseitig schön zu finden, sich zuzuhören statt anzuschreien, miteinander zu kochen, sich zu helfen, sich richtig cool zu finden, gemeinsame Geheimnisse zu hüten oder auch einfach beim Kicken auf dem Bolzplatz Zeit miteinander zu verbringen.

Als nach drei Tagen und etlichen Aufführungen der Vorgang zum letzten Mal fällt, den es bei diesen Tagen nur in improvisierter Form eines roten, von Hand gehaltenen Stoffbandes gibt, schaffen es drei sockenfüßigen Klassen gleichzeitig ihre circa hundert Schuhpaare in einer einzigen Umkleidkabine in nur wenigen Minuten ohne Gerdränge und Tränen anzuziehen. Frau Kroll, die Theatermacher und die neuen 5er-Klassenlehrer freuen sich. Die Theatertage und die selbstverfassten Aus- und Aufführungen zur Freundschaft im Klassenzimmer und on stage wirken bei den Schülern offensichtlich auch noch außerhalb der Bühne nach.

Leitung Presse-AG/Tobias Greiner

12 voraus am FSG

Vor 26 Jahren war die neue Interim-Schulleiterin des Friedrich-Schiller-Gymnasium, Kathleen Kroll, schon mal am FSG Marbach, damals als Referendarin. Im Januar 2019 hat die studierte Mathe-, und Physiklehrerin nach einer Zwischenzeit in Guayaquil, Ecuador, am Stromberggymnasium in Vaihingen an der Enz und im Auslandsschuldienst in Lima, Peru wieder an ihrer alten Schule angeheuert - diesmal als stellvertretende Schulleiterin. Als Herr Martin wenige Monate später überraschend seinen Wechsel als Schulleiter nach Singapur mitteilte, steht so schnell kein Nachfolger in den Startlöchern. Wie sich Frau Kroll auf die neuen Aufgaben als Ersatz-Schulleiterin eingestellt hat, wollte die Schüler-Presse-AG des FSG von der Studiendirektorin wissen.

Warum haben Sie 2019 ihre Lehrtätigkeit an einer deutschen Schule Peru gegen die Stelle am FSG Marbach eingetauscht?

Ich wollte einfach noch mal etwas ganz Neues erleben. Für das Bewerbungsgespräch als Stellvertreterin musste ich übrigens trotz Skype und Co. extra von Südamerika ins Schwabenland anreisen. Als das geklappt hat, war der Wechsel schlussendlich doch sehr kurzfristig. Einen Tag nachdem ich hier in Deutschland angekommen bin, begann bereits mein Job als stellvertretende Schulleiterin und Lehrer-Kollegin in einer für mich neuen Schulgemeinschaft.

Ihr Chef Christof Martin entschied wenige Monate später kurzfristig ins Ausland zu wechseln - und sie sollten ihn vertreten.

Ja, das war ehrlich gesagt anfangs ein ziemlicher Schock für mich. Nach gerade 4 Monaten am FSG war ich natürlich in viele Bereiche der Schule nicht wirklich eingearbeitet. Deshalb habe ich mich auch dagegen entschieden, mich ganz offiziell für Herrn Martins Stelle zu bewerben. Mein Plan war dann: Jetzt erst mal die Schule gründlich kennenlernen. Es gilt zu bedenken: Für eine so große Schule braucht es schon sehr viel Erfahrung.

Sie sprachen von den Nummern 1 und 2 an der Schule, aus der nun in einer Person eine Nummer 12 wird. Herr Martin bezeichnete sich selber auch als der Außenminister des FSG, während sie als Stellvertretung quasi das Innenministerium darstellten. Wo sehen sie sich nun genau?

Momentan fehlt uns einfach eine zweite Person an der Spitze. Die Trennung der Aufgaben ist nicht mehr ganz klar. Ich bin gleichzeitig Innen- und Außenministerin und die Arbeit wird auch übergangsweise unter den Abteilungsleitern aufgeteilt. Die Bezeichnung des Außenministers für den Schulleiter kommt daher, dass er die Schule nach außen repräsentiert, in etwa vor den Eltern, anderen Schulen, der Stadt oder dem Regierungspräsidium. Der Stellvertreter achtet darauf, dass innerhalb der Schule alles glatt läuft. Ich versuche nun beides unter einen Hut zu bekommen.

Haben Sie das FSG aus ihrer Referendariatszeit wiedererkannt?

Das FSG war damals deutlich kleiner, obwohl es mir damals schon sehr groß vorkam. Einige Anbauten und auch das Lehrerzimmer in seiner heutigen Form gab es damals noch nicht. Ausgelagerte Klassenräume, wie im Coolen Kasten, gehörten aber schon zum FSG. Herr Offermann, zu der Zeit mein Schulleiter, hat oft erzählt, was er so alles durchsetzen möchte an der Schule. Ich kann jetzt nachträglich feststellen, dass er tatsächlich einen Großteil seiner Ideen in die Praxis überführt hat. Es gibt vermutlich kein zweites, so breit gefächertes Gymnasium wie das FSG.

Bevor sie zurück nach Deutschland kamen, unterrichteten sie ja an einer deutschen Auslandschule in Peru. Was war dort ganz anders als hier?

In Lima waren vor allem peruanische Schüler. Die Lehrer kamen aus allen möglichen Ländern, das war alles sehr international und weltoffen. Obwohl die Schule dort auch immerhin 1500 Schüler hatte, waren die Klassen durchgehend kleiner. Der größte Unterschied zum FSG ist wohl, dass dort Grund-, Mittel- und Oberstufe zusammengefasst sind und die Familien Schulgeld bezahlen. In Lima herrscht wirklich ein großer Kontrast zwischen arm und reich. Das spiegelt sich im Alltag wieder, sowie in der Schullandschaft.

Zurück zum FSG. Wie lief der Übergang ins neue Schuljahr. Gab es schon Überraschungen?

Ja, die Renovierung am Pausenhof war wohl eine eher negative Überraschung. In der Woche vor Schulbeginn bekamen wir mitgeteilt, dass man wegen des Teerens die Notausgänge nicht benutzen darf. So kam es zur sogenannten Teerwoche, eine Notlösung bestehend aus Ausflugstag, pädagogischem Tag, Feiertag und vorverlegten, beweglichen Ferientagen. Sonst lief der Übergang bisher zum Glück reibungslos.

Interview: Johanna Raab, Leonie Obermüller, Benjamin Fähnle, Autorin: Johanna Raab

Kunst soll hautnah erlebt werden

Friedrich-Schiller Gymnasium Louisa Wenzel hat sich für die Schülerpresse-AG mit Kuratorin Susanne Kaufmann aus der Staatsgalerie getroffen.

Alle suchen Banksy - die Staatsgalerie Stuttgart zeigt ihn. Was hat es mit dem Hype um das berühmteste, geschredderte Kunstwerk der Welt „Love is in the bin“ auf sich?Lohnt sich ein Besuch in der Staatsgalerie, um sich diese Schnippel- und Schablonenkunst anzusehen? Gut, dass ich anlässlich des bevorstehenden internationalen Museumstags mit freiem Eintritt die Ausstellungskuratorin Dr. Susanne Kaufmann vor Ort persönlich fragen kann.

Das Bild „Love is in the bin” zeigt eigentlich ein kleines Mädchen mit roten Herzluftballon. Uneigentlich handelt es sich dabei um ein halbgeschreddertes Graffitwerk in opulentem Goldrahmen (mit eingebautem Schredderer), das hinter einer großen Glasplatte aktuell in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt wird. Die Kuratorin erklärt: “Banksys Arbeit wird im kommenden Jahr an verschiedenen Orten in der Staatsgalerie jeweils im Kontext mit anderen Werken der letzen Jahrhunderte und einer dazu passenden Kunst-Fragestellung gezeigt. Wir wollen das Bild so einer intensive Diskussion aussetzen. Das hat übrigens auch die anonyme Sammlerin überzeugt, uns das Werk auszuleihen.“

Derzeit macht „Love is in the bin“ Bekanntschaft mit dem Ready-Made „Flaschentrockner“ von Marcel Duchamp. In dieser Konstellation lautet die Frage: Was macht ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk? „Duchamp erklärt Alltagsobjekte zu Kunst. Kunst ist für ihn das, was ein Künstler als solche erklärt“ verrät Kaufmann. Auch Banksys Schablonentechnik scheint wie ein handelsübliches Alltagsobjekt rein technisch betrachtet künstlerisch wenig herzugeben. Auch das nach einem Foto in Schablonentechnik erstellte Motiv ist eher trivialer Natur. Aber Duchamp und Banksy treffen dabei beide eine anscheinend für die Kunst interessante Message: Sie üben mit künstlerischen Mitteln Kritik am Kunstmarkt. Ihr Werk funktioniert - beabsichtigt oder nicht - dabei sowohl als Kunst-Provokation wie auch als künstlerisches Selbstmarketing. Dass der Künstler mit dem Pseudonym Banksy sich selber vielleicht garnicht als “der Künstler” sieht - und dabei als Künstler dennoch auf die meisten Followern auf Instagram, nämlich 5,7 Millionen, verweisen kann, ist für sich genommen schon ein spannender Widerspruch. „Es gibt aber auch Kunsthistoriker, die sagen, dass der Film über die Auktion, auf der das Bild nach Zuschlag im eingebauten Rahmen halb geschreddert wurde, das eigentliche Kunstwerk sei“, erklärt die Ausstellungskuratorin. Und warum hat man den Banksy zuletzt dem niederländischen Baroackmaler Rembrandt gegenübergestellt - just dem Typ, der derzeit auch im BK-Abi an Baden-Württembergischen Gymnasien wieder eine entscheidende Rolle spielt?

Hier ging es um die Frage „Wie wird der Künstler zur Marke?“ vermittelt die Kunsthisorikerin. Rembrandt gelang dies unter anderem durch seine zahlreichen Selbstporträts und seine neuartige Malweise. Banksy schafft es per wiedererkennbarer Graffitis im öffentlichen Raum mit sozial-politischen Kommentaren bei weitgehender Geheimniskrämerei um ihn und sein Werk. Wer mit ihm in Kontakt treten will, muss mit seinem „Pest Control Office“ vorlieb nehmen, das ihn unter strenger Geheimhaltung gegenüber der Kunstwelt vertritt. Solche Versteckspiele scheinen übrigens ein Trend in der Gegenwartskunst - bis hin zur Pressekonferenz mit der aktuellen Künstlerin des deutschen Pavillons bei der Kunstbiennale in Venedig: Natascha Süder Happelmann verbarg ihre Person dort bei der Pressekonferenz hinter einer maskenhaften Skulptur.

Die Streetart-Kunst à la Banksy verweist zudem auf die aktuelle Tendenz zur Demokratisierung von Kunst, die runter vom Sockel für jedermann erfahrbar sein soll. Passend dazu veranstaltet die Staga im Rahmen der Banksy Ausstellung für Jugendliche und junge Erwachsene Performances, Aktionen, Partys und Live Sprayings. Kunst wie „Love is in the bin“ soll nichtnur vermittelt sondern hautnah erlebt werden. „Werke im Original zu sehen ist eine ganz andere Erfahrung als sie im Internet zu betrachten. Ich glaube das ist genau das, wieso es so wichtig ist, dass wir hier die medial berühmt gewordene Banksy Arbeit auch im Original zeigen.” Und so geht Banksys Versteckspiel auch im Museum noch eine Weile weiter. Neben welchem Werk und mit welcher Frage Banksys Schredderkunst als nächstes zu finden sein wird, die auskunftsfreudige Frau Kaufmann will es noch nicht verraten.

Die Staatsgalerie Stuttgart lädt am Freitag, 25. Mai zu “Von Banksy bis Beats” ein. Der Abend beginnt um 19 Uhr mit einem Talk mit Björn Springorum, Künstler Jeroo und Kuratorin Susanne Kaufmann. Igor Tipura liefert die Beats und es gibt Live-Kunst. Die Ausstellungsräume sind bis 22 Uhr offen. Dieser Artikel ist am 23.5.2019 in der Marbacher Zeitung erschienen.

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